Freitag

Hühner! Ich besitze einen ganzen Schwarm von ihnen. Zielgerichtet laufen sie kreuz und quer durch ihr Gehege. Hühner sind die unberechenbare Größe der Moderne. Ich kann gar nicht mehr anders, als stundenlang vor dem niedrigen, etwa vier Meter tiefen Maschendrahtzaun zu sitzen und sie beim Picken zu beobachten. Es ist schon zum Zwang geworden.

Am Himmel war ein Bussard aufgetaucht. Der Hahn meiner kleinen Haremsarmee hatte ihn genau in seinem Blick. Sein Kamm schwoll unaufhörlich, sodass er jede Sekunde zu platzen drohte. Würde der Bussard seine Frauen angreifen, gäbe es kein Pardon. Der Hahn namens Fuchshuhn ist eine Killermaschine. Ich habe es schon oft gesehen. Ein kleiner Junge, der sich auf unser Grundstück verlaufen hatte und ahnungslos das Gehege betrat, wurde von ihm … Aber lassen wir das. Hier lesen auch Minderjährige.

Fuchshuhn wurde von einem der besten Hähne der Welt ausgebildet, der sich inzwischen in ein japanisches Zen-Kloster zurückgezogen hat. Meister Wang, wie ihn die Mönche nennen, gilt als aufgeweckter Bursche, der die Mönche morgens aus ihren Betten kräht.

Manchmal erinnert sich Fuchshuhn an seinen Ausbilder. Man kann es seinem Blick ansehen, der sich im Gras verliert. Er sitzt desinteressiert neben seinen Hühnern Gertrud und Martina und denkt an die Jahre seiner Ausbildung in den Hühnerställen jenseits des großen Teichs.

Ist ein Hahn erst an Depressionen erkrankt, ist nicht mehr viel mit ihm anzufangen. Ab auf die Couch, sagt der unkundige Hühnerfreund. Das bringt nicht eben viel, weil Hühner weder Stühle noch Sofas ausstehen können. Eine alte Abneigung, die bereits legendär ist. Ich will und kann hier nicht darauf eingehen. Es käme mir wie ein Verrat an der Sache der Hühner vor, die sich voll und ganz auf meine Verschwiegenheit verlassen.

Ein Hahn, das weiß jedes Kind, misst in der Höhe etwa sieben Meter. Man muss ihn mit einer Leiter besteigen, die in einem speziellen Leitergeschäft im Schwarzwald hergestellt wird. Einen Hahn kann jeder einreiten. Es ist wahrlich keine Kunst. Man reißt seinen Kopf am Kamm nach hinten und jagt mit ihm in den Sonnenuntergang davon. Hoch in die Berge kann es gehen, damit man sich ein Lagerfeuer anzündet, an dem man sitzt, während der Hahn friedlich ein paar Felsbrocken zur Seite rollt.

Ich kann bereits wieder die Stimmen hören, die behaupten, ich würde hier die Unwahrheit schreiben. Unsinn, muss ich da sagen. Kommt nach Fulda und seht das Unglaubliche. Hier werden nicht nur die Hühner besonders groß und stark, sondern auch die Wellensittiche und die Bäume. Manche Bäume sind so groß, dass es niemand gibt, der ihr Ende absehen kann. Sie wachsen mindestens bis in den Weltraum. Manche behaupten, die Krone eines der höchsten Bäume würde sich Richtung Mond neigen. Gefährliche Sache. Der Baum sollte schleunigst gestutzt werden, sonst kann es zu einem Mondunglück wie 1972 kommen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Guten Morgen, Welt!

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Martina und Gertrud tun so, als ob sie Fuchshuhn nicht sehen würden

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Zielgerichtet laufen die Hühner kreuz und quer durch ihr Gehege

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2 Gedanken zu “Freitag

  1. Sehr gut. Bin an „Schwarm“ hängengeblieben und habe mich gefragt, wie man das bei Hühnern bezeichnet. Scheint nicht so eindeutig. Hühnerschar gibt es wohl, der Duden spricht von „Hühnervolk“. Sehr gut gefallen hat mir „Legegemeinschaft“ 🙂

    1. Hm, es gibt doch den Vogelschwarm. Oder den Teenieschwarm. Das Wort Schwarm passt – wenn ich recht darüber nachdenke – immer und überall, wie etwa beim Tafelschwarm, den die Mädchen gerne an der Tafel stehen sehen. 😉

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