Donnerstag

Nebel lag über der Straße. Den Häusern. Den Wiesen. So war das heute Morgen. Ich stand draußen auf meinem Balkon und starrte, Kippe zwischen den Lippen, in die Morgentrübe hinein. Kein Laut war zu hören. Nichts! Nicht einmal eine Autotür. Oder ein Tier.

Tiere gibt es hier viele. Rudelweise. Dreht man sich mal kurz um, kann es geschehen, dass eine Herde Elefanten die Straße kreuzt. Was weiß denn ich, wo die hinwollen! Vielleicht zum nächsten Wasserloch. Oder ins Unterholz, weil direkt hinter unserem Haus liegt ein großer Wald. Ein wahrer Märchenwald, in dem ich früher spielte. Damals ritten wir mit unsichtbaren Pferden.

Und während die Ruhe auf der Straße lag, so wie eine Decke, kitzelte mich etwas in meiner Nase. Das geht mir jeden Morgen so. Das ist der Heuschnupfen.

Und HATSCHIIIIIIIIIIIIIIIIII! So dröhnte es die Straße hinauf und hinab. Klar, dass da alle wach wurden. Lichter wurden eingeschaltet. Vögel flogen auf. Ein Vogel, der weiß nichts von so einem Heuschnupfen, also bekommt er es mit der Angst zu tun und fliegt auf. Richtung Ruhe!

Hat mein Heuschnupfen erst angefangen, gibt es für mich und meine Nase kein Halten mehr. Niesattacke auf Niesattacke. So einer wie ich, der niest seine Umgebung in die totale Einsamkeit hinein. Nicht mehr lange und ich werde allein sein.

Um nicht die gesamte Nachbarschaft aufzuniesen, bin ich wieder rein in die Wohnung, weil ich schreiben wollte. Das habe ich dann auch getan. Vor diesem Eintrag. Ob Sie es glauben (oder nicht!), aber vor diesem Tagebucheintrag habe ich bereits vier Seiten für einen neuen Krimi (der im Bauernmilieu spielt) geschrieben. Vier Seiten! Und das um 5.30 Uhr am Morgen. Vier!

Um 6.00 Uhr waren sie fertig. Um 6.00 Uhr lagen die ganzen Buchstaben vor mir. Gelesen habe ich es nicht. Nein, das könnte die ganze Morgenstimmung versauen. Ich habe lieber ein wenig geniest, nicht weil ich es wollte, sondern weil es sein musste. Weil mein Körper es einforderte. Meine Nase. Und so ist der Mensch, sind wir doch einmal ehrlich, ein Opfer seines Körpers. Wir stehen unter der Knute von Mutter Natur. Wenn der Körper sagt, du bekommst jetzt einen Krebs, dann bekommst du ihn. Opfer! Wir alle sind Opfer!

Guten Morgen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s