Montag

Facebook. Was soll ich dazu sagen? Die Leute dort lieben mich einfach! Sie kommen vorbei – rein virtuell natürlich – und fragen an, ob sie mein Freund/meine Freundin sein dürfen. Ich ziere mich da nicht. Freunde kann man nie genug haben. Und sind erst die Kontobewegungen meines neuen Freunds überprüft, kann es schon sein, dass ich ihn annehme. Ich schnappe ihn und drücke ihn so richtig fest an meine Brust.

„Da bist du ja, alte Haus“, sage ich meist zu meinem neuen Freund.

Die Kerle und Mädels vertragen heutzutage leider nichts mehr. Da wird geächzt und gestöhnt. Das ist nicht schön!

„Gut, gut, Rohm“, keuchen sie zurück.

Und dann rubbel ich ihnen mit der Faust über den Kopf. „Du alter Schwede!“, sage ich zu ihnen. „Wo hast du denn so lange gesteckt?“

Die meisten antworten in diesem Stadium unserer Freundschaft schon nicht mehr. (Blödes Pack!)

Um unsere Freundschaft zu besiegeln, werden sie in den Schwitzkasten genommen, den dänischen, der tut besonders weh und Luft bekommt man auch keine mehr. Und wieder wird gerubbelt, und das alles mit zwei Händen und zwei Armen – rein virtuellen Armen und Händen selbstverständlich.

Die meisten – unverständlich, unverständlich – kündigen mir darauf die Freundschaft, dabei war diese einmalige Beziehung gerade am Aufblühen. Wie eine Schuppenflechte erblühte sie. Da wäre viel entstanden. Eine Blutsbrüderschaft. Sie und ich. Winnetou und Old Shatterhand.  Ernie und Bert. Hanni und Nanni. Das wäre nur mit diesen großen Freundschaften vergleichbar gewesen. Und was machen meine neuen Freunde. Fliehen! Hauen ab!

Macht man das? Nein, das tut man nicht. Ein wenig Anstand sollten doch auch meine Freunde besitzen. (Jetzt muss ich mich für sie schämen.) Konnten es wieder nicht abwarten, die Damen und Herren Freunde. Konnten nicht warten, bis ich die Freundschaft beende! Das muss doch möglich sein.

Das müssen Ihnen doch ihre Eltern beigebracht haben: „Hör zu, eine Freundschaft, vor allem eine bei Facebook, wird immer, wird unter allen erdenklichen Umständen, nur von dem beendet, der dich einst als Freund annahm. Hast du mich verstanden, Kind?“

Nein, hat das Kind nicht!

Nichtsdestotrotz bin ich ein Freund, wie man ihn sich wünscht! Warum? Täglich lasse ich meine Freunde meine Texte lesen. Und erwarte ich anschließend Kritik? Nein! Deshalb hat man doch Freunde. Dass sie einen in der eigenen Meinung unterstützen, ein von Gott gesegnetes Genie zu sein. Nicht nur das. Die Freunde bestätigen auch folgende Zuschreibungen: Wunderkind, Sexgott, Schönschriftschreiber, Spitzenpolitiker.

Was nicht heißt, dass ich auch kritische Stimmen zulassen würde. Wenn mir einer eine Privatnachricht zukommen lässt, in der er mich auf die Länge meiner Fingernägel anspricht, die, so sein Wortlaut, sich in einem gewagten Bereich befände, würde ich ihm dies nie zum Vorwurf machen. (Bastard, elender. Verräter, Schwein, Denunziant!)

Nein, nein! Man kann schon auf mich zukommen. Für meine Freunde bin ich stets und immer da. Meist zumindest. Öfter und öfter. Es wird sich schon eine Minute finden.

In diesem Sinne …

Guten Morgen, Freunde und solche, die es vielleicht noch werden wollen.

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