Sonntag

Auch wenn es nicht zum Sonntag zu passen scheint, zu diesem Sonntag, so möchte ich doch das Thema Beerdigungen ansprechen. Man kann gar nicht früh genug darüber sprechen, wie und wo und warum man dereinst unter die Erde gebracht werden möchte.

Die eigene Beerdigung sollte minutiös geplant werden, damit man nachher keine böse Überraschung erlebt.

Die Lieder, die Grabreden. Am besten schreibt man alles selber. Wenn möglich singt und redet man auch selber. Man könnte Gesang und Reden z.B. aufnehmen, um sie über einen über dem Grab errichteten Bildschirm der Trauergemeinde vorzuspielen.

Das hat was!

„Liebe Gemeinde, liebe Freunde und Verkannte, wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied von mir zu nehmen. Stets war ich allen ein guter Freund. Meine Frau wird bestätigen können, dass ich mich jahrein, jahraus rührend um den Haushalt kümmerte.“ So in der Art etwa.

Nie wird so viel gelogen, wie wenn man seine eigene Beerdigungsrede hält.

Versinkt man im Erdreich, sollte man sich mit den Tränen zurückhalten. Ein paar können schon vergossen werden, selbstverständlich, aber nicht zu viele, damit man sich noch in der Lage sieht, die Aufgaben der kommenden Wochen zu verteilen: „Du, meine liebe Frau, kümmerst dich bitte um meine Pfeifensammlung.“ Ein erstauntes Oh wird durch die Menge branden, wusste doch niemand um mein geheimstes Hobby: die Schiedsrichterei. Egal, wo wir hinfuhren, stets hatte ich meine Pfeifen dabei, um, ergab es sich, das eine oder andere Spiel, das sich in der jeweiligen Gegend auftat, zu pfeifen. Ich rannte in meinem kleinen Schwarzen über den Platz, nicht langsam, sondern wie ein aufgebrachter Wind, jedes Foul unbarmherzig ahndend. Beim Sex und beim Fußball kenne ich keinen Spaß. Der und der müssen mit Akribie und einem unbedingten Willen, das Beste aus sich rauszuholen, betrieben werden.

Während man also letzte Aufgaben verteilt, und während die Nationalhymne Frankreichs von einem Symphonieorchester geschmettert wird, und während man im Schneckentempo – die Trauernden sollen Zeit haben, ein letztes Lebenichtmehrwohl zu hauchen – ins Erdreich hinabgelassen wird, sollte man sich nebenher Gedanken über das Jenseits machen. Wie wird es beschaffen sein? Gibt es dort klimatisierte Räume? Wie hält man es dort mit dem Gebrauch von Kondomen? Ist Gott eine Frau, und wenn ja, wie sieht sie aus und – sind ihre Brüste wirklich so groß, wie wir uns das in unseren kühnen Träumen seit Jahren vorgestellt haben?

Sie sehen, die eigene Beerdigung ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sie verlangt nach einem geordneten Geist, der sich früh um alle Eventualitäten kümmert.

Und sollten wir uns in diesem Leben nicht mehr begegnen, im nächsten wird bestimmt was daraus.

In diesem Sinne …

Sterben Sie wohl!

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