Samstag II

Meine Frau und ich waren heute chinesisch essen. Ein nettes Familienrestaurant, geführt von einem Italiener, der sich Rocco nennt. Er sei garantiert Chinese. Da gäbe es keine Zweifel. Er sei aus China geflohen, als die Mafia dort Schutzgeld von ihm verlangte.

Wir bestellten eine Peking-Pizza, setzten uns nach draußen auf die Terrasse und ließen uns die Sonne ins Gesicht fallen. Sie hing direkt über unseren Köpfen. Wir mussten nichts tun, nur die Gesichter strecken, während unter uns die Autos in einem dichten Stau standen. Echte Romantik. So waren wir das aus Istanbul gewöhnt. Das Hupkonzert schwoll an und hob uns hinauf in die Höhen einer Kunst, die bisher meist missverstanden wurde. Hupen will gelernt sein. Es darf nicht im Zorn ausgeübt werden. Es muss aus dem Herzen kommen, direkt aus den Tiefen der Seele. Wer hupt, der will etwas erzählen. Seine Geschichte. Die Geschichte seiner Familie. Die der Stadt. Huper sind Musiker der Moderne, die Neuen einer kommenden Ära, in der das Hupen nicht auf den Straßen bleiben wird, sondern Einlass in die Konzerthallen der Welt finden wird. Man wird die besten Huper bei Rock am Ring sehen. In Bayreuth.

Da saßen wir, meine Frau und ich, und genossen das kostenlose Konzert, während wir unsere Pizza Peking verschlangen. Der Käse verbrannte uns die Zungen, und wir wussten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten, aber schließlich entschieden wir uns dafür, beides zu tun.

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