Montag

Ich beginne den Tag grundsätzlich mit einer Pfeife, die von vier, fünf Leuten gehalten werden muss. Das ist gar nicht so unkompliziert, wie es sich im ersten Moment anhört. Die drei ausgebildeten Stopfer haben eine Menge zu tun und leben äußerst gefährlich. Es kommt schon mal vor, dass einer von ihnen in den Pfeifenkopf fällt und spurlos verschwindet. Und dann? Eine Menge Geschrei! „Mann über Pfeifenrand!“ Sofort wird der eine oder andere Suchtrupp losgeschickt, um den Verschollenen aufzuspüren. Ich sitze derweil da und studiere die Fernsehzeitung. Das ist nicht einfach, bei dem doch eher fragwürdigen Programmangebot. Mein Seitenumblätterer Jorge, ein guter Mann aus Zürich, beobachtet genaustens mein Gesicht, um die Anzeichen abzulesen, die ihn seinen Finger anfeuchten und die Seite umschlagen lassen. Werbung vertrage ich gar nicht. Von der bekomme ich Ausschläge. Widerlich, was die einem heute alles verkaufen wollen. Kleine Kinder auf einer Schaukel. Frauen mit einem Springseil. Der Menschenhandel sollte verboten werden, aber die Regierung unternimmt nichts.

Wenn ich genug von der Morgenzeitung und der Pfeife habe, kann es sein, dass ich meinen Morgenmantel glatt streiche. Immer so von oben nach unten, damit keine neuen Falten in das Gewand geraten. Morgenmantelstreichen … Ha! Das hat schon mein Vater, der berühmte Busfahrer, gemacht. Saß da und strich sich den Morgenmantel gerade, bis man ihn, ohne ihn aufhängen zu müssen, in die Ecke stellen konnte.

Und nach dem Morgenmantelstreichen? Meistens schicke ich die Pfeifenjungs nach Hause und hau mich noch eine Runde aufs Ohr. Oder ich schreibe einen kleinen Artikel für die FAZ oder die TAZ oder den Spiegel. Leserbriefe sind wieder im Kommen!

Meine Frau Beate (Name geändert) ist ebenfalls eine Frühaufsteherin. Sie raucht zum Glück keine Pfeife. Das würde hier sonst etwas eng.

„Moin!“ sage ich zärtlich zu ihr, wenn sie in ihrem Nachthemd wie ein Nachtgespenst vorüberhuscht!

Weil sie ein Morgenmuffel (korrekt muss es Morgenmuffelin heißen) ist, grüßt sie mich nicht. Sie hat jeden Morgen schlechte Laune, ich bin das schon gewöhnt.

„Ja, ja“, sage ich dann. „Du und deine schlechte Laune, ihr wart auch schon mal besser gelaunt!“

Der Witz zieht nicht, egal wie oft ich ihn erzähle. Ich konzentriere mich weiter auf meinen Artikel für die FAZ oder TAZ oder den Spiegel. Das Ding muss heute noch unter den Bericht über den amerikanischen Geheimdienst. Ich schlage darin vor, dass sich alle Beteiligten des Abhörskandals bei mir treffen, um mal – Karten auf den Tisch – über alles zu sprechen. Offen und ehrlich. Mal sehen, was die vom Spiegel zu meinem Artikel sagen werden.

Guten Morgen, Welt!

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