Das kann ja mal vorkommen! Oder? Hey, Sie da – ich hab Sie was gefragt? Sie haben das nicht gelesen? Da fangen wir eben gleich noch mal von vorne an, Sie Plage! Das kann ja mal vorkommen, h-a-b-e ich geschrieben. Haben Sie es jetzt? Gut! Dann kann ich weitermachen. Nur, besser geht es mir durch Ihre Aufmerksamkeit auch nicht. Weil, deshalb schreibe ich Ihnen ja heute! Weil es mir nicht gut geht!
Das kommt heutzutage vor, habe ich gelesen. Eine gewisse Traurigkeit hat sich der Menschheit bemächtigt. Und bei mir hat sie ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Dabei ist ja alles prima! Das Wetter! Hervorragend! Da müsste man eigentlich singen. Und ich? Nix da! Ich sitz da und schau traurig in die Gegend rein. Und juckt die Gegend das? Weit gefehlt. Die Gegend liegt da und ist. Dasein, nennt sich das. Ist da und liegt rum, als ob nichts wäre. Eine ganz oberflächliche Gegend, da werden Sie mir recht geben. Mit so einer Gegend kann man keinen Friedenspreis gewinnen. Einen Krieg auch nicht. Die ist so gut wie … Die … Man könnt sie abschaffen, die Gegend, das würd ihr selbst nicht mal auffallen, so desinteressiert wie die tut.
Da kann es einem ja nicht gut gehen, wenn man in so einer Gegend wohnt, die so wie diese Gegend ist. Jetzt bekommen Sie allmählich eine Ahnung, warum es mir so schlecht geht. Umziehen würde auch nichts helfen, weil die Gegend überall ist. Also die Gegend im Allgemeinen, auch wenn sie woanders anders aussieht wie die Gegend hier. Aber Gegend bleibt Gegend. Das weiß doch ein jeder, der schon mal blöd in die Gegend gestarrt hat. So eine Gegend, die sieht dich an, als ob du nicht da wärst. Die schaut glatt durch dich hindurch. Als ob du auch eine Gegend wärst. Keine Ahnung hat die von einem Menschen.
Ich hab die Schnauze voll. Ich lass mich doch von der Gegend nicht länger ärgern. Ich werd sie ignorieren. Werd mich zurückziehen, hier herein in mein Wohnzimmer. Soll sie doch draußen bleiben und verrotten, die Gegend. Mich juckt das nicht.
In meinem Wohnzimmer wird es mir schon besser gehen. Das Wohnzimmer, das ist eine Art Urlaub von der Gegend. Da kann die Seele aufatmen. Mal in den Fernseher gucken und sehen, was in anderen Gegenden der Welt so los ist. Nur Krieg. Nur Elend! Zugegeben, da kommt man rasch an den Punkt, so schlecht ist meine Gegend gar nicht. Und dann geht es einem auch schon wieder besser. Da kann man auch wieder vor die Tür. Am nächsten Tag. Oder so! Rausgehen! Und die Gegend genießen!