Demnächst

Die große Skandal-Biografie von „Richter Sex“. Exklusiv vorab erste Auszüge:

„2005 lebte ich mit einem ehemaligen Staatsanwalt zusammen. Wir koksten und peitschten uns, bis wir nicht mehr wussten, wo wir waren. Orientierungslos liefen wir durch die Stadt, die Hamburg sein sollte. Ich erkannte sie nicht mehr wieder. Hier war ich also Politiker und Richter gewesen. Ich versuchte einen Passanten zum Tode zu verurteilen. Er gehorchte nicht. Um auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen, rief ich RTL an, die ein Kamerateam vorbeischickten, das mich beim Sex mit einem Mülleimer filmte. Die Bilder, die ich mir gleich danach auf einem der mitgebrachten Monitore ansah, überzeugten mich. Ja, das war ich: Richter Sex. Und ich war tatsächlich in Hamburg.”

„Als ich noch Richter war, ließen wir manchmal Leute vom Bürgersteig gegenüber des Gerichts verhaften, um sie zu unseren Sexsklaven zu machen. Ich ließ sie in den Keller sperren und versprach ihnen, dass ihr ‚Schicksal’ später Teil einer Reportage auf RTL II werden würde. Das beruhigte die meisten, sodass sie fleißig bei der Sache waren. Die anderen Richter und ich peitschten sie aus, bewarfen sie mit ausgeschiedenen und aktuellen Aktenteilen und lachten uns kaputt, wenn sie uns anflehten, Gnade walten zu lassen. Abends machte ich Wahlkampf und schimpfte auf all die, die unser Rechtssystem beugten. Ich beklagte mich über den Verfall der Sitten und über die Junkies, die in den Parks herumlungerten. Später zogen wir in die Clubs und feierten, nicht ohne die eine oder andere Line zu schnupfen. Tolle Tage, die ich nicht missen möchte. Wer Spaß sucht, sollte Richter werden.“

Aus Donald Schrill „Richter Sex“, Eine Biografie

schrill

Cover: Archi W. Bechlenberg

Ulf Uschmann in Frankfurt

An alle Damen mit Reitstiefeln. Ulf Uschmann freut sich bereits auf die Buchmesse.

Ulf_Frankfurt

“Geile Weiber mit geilen Möpsen, das ist das eine. Aber sie müssen auch Gedichte auswendig können. Das macht mich heiß, wenn sie mir was von Celan in die Ohren keuchen, während wir es tun. Von hinten und dabei Rilke. Sehr gut. Ich bin mehr der intellektuelle Liebhaber. Es muss mir etwas bedeuten, wenn ich komme.” Ulf Uschmann

Sätze, wie man sie in Klagenfurt noch nie gehört hat (2)

Meike Meiers Text ist nicht nur latent irrsinnig, weil er sich alles erlaubt. Das ist ein Risiko, das er in Kauf nimmt, weil dadurch Sätze entstehen, wie man sie in Klagenfurt noch nie gehört hat: “Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet” Das ist sehr gut. - Aus “Mein Klagenfurt” von Christian Schneider

Čechov an A.S. Dovorin

Du schreibst, dass man das Theater nur lieben muss, dass man seine Leidenschaft zeigen muss. Ich träumte letzte Nacht davon, nackt auf einer Bühne zu liegen. Ich rollte über den Boden, hin und her, wie ein eingelegter Hering lag ich auf den Brettern, stöhnend, mich dem Theater hingebend. Ich machte ihm Komplimente, küsste den Vorhang, bis ich schließlich auf ihm saß. Ich ritt auf ihm. Meinst du etwa, das Publikum hätte meine Liebe begriffen? Entsetzt saßen sie da und zeigten mit den Fingern auf mich. Sie schrien und tobten, ich würde Unzucht mit dem Theater treiben. Es sei nicht so, wie es aussehe, wollte ich sie beruhigen, doch zwischen meinen Beinen ragte bereits das Gegenargument in die Luft.

A. Čechov an A.S. Dovorin, 5. November 1888

Karpov inszeniert meine Stücke zu Tode. Er ist sich für nichts zu schade. Meine Figuren, die den Menschen etwas bedeuten sollen, lässt er als Käsesorten auftreten. Was sollen die Leute von mir und meinen Stücken halten, in denen Käsewürfel sich bekriegen, weil sie an die Pfeffermühle wollen. So etwas habe ich nicht geschrieben. Viel schlimmer ist aber noch, dass es an den Haaren herbeigezogen ist. Oder hast du schon mal von Käse gehört, der sich wegen des Pfeffers streitet? Wegen des Brotes, auf dem er landen soll, das vielleicht. Aber nicht wegen einer Pfeffermühle. Unsinn. Sie sollten Karpov mit einem Spielverbot belegen. Wenn er nicht aufhört, mich und meine Stücke klein zu machen, dann gnade ihm Gott. Laut seinen neuesten Plänen will er meinen Platonow bringen. Wie ich aus verlässlichen Quellen erfuhr, will er das Stück im Schinkenwürfelmilieu ansiedeln. Ich muss jetzt Schluss machen. Bei der ganzen Briefeschreiberei bekommt man Hunger.

A. Čechov an A.S. Dovorin, 27. Dezember 1888

Kleine Abhandlung über den Fußball

Fußball ist eine Wissenschaft für sich. Man sollte erst gar nicht versuchen, sie zu verstehen. Das ist, als würde man versuchen, die Quantenphysik zu begreifen, die keiner einem erklären kann, auch nicht die Quantenphysiker, die mit ihrer eigenen Disziplin völlig überfordert sind. Deshalb trinken die meisten von ihnen auch. Säfte, so sagt man. Und Säfte können den Magen kaputt machen, die Säure zerstört alles. Man löst sich regelrecht von innen auf. Der Körper schäumt, bis man in alle Richtungen zerläuft. Da haben dann die Putzfrauen eine Riesenarbeit, sofern es überhaupt Putzfrauen gibt, die sich ja heute gar nicht mehr jedes Institut, das Quantenphysiker beschäftigt, leisten kann. Und dann? Ist der Boden erst ruiniert, müssen Firmen engagiert werden, die den entstandenen Schaden reparieren. An all dem kann man sehen, dass den Fußball eh nie einer verstehen wird.

Vergriffen

Wir bauten für unsere Toten Gestelle, in die wir sie setzten. Wir nannten diese Gestelle Mofas. Mit den Mofas sollten sie schneller ins Jenseits kommen, was von unserem Häuptling angezweifelt wurde, der meinte, dass Motorräder viel mehr PS hätten. Bis wir solche bauten, dauerte es allerdings noch zwei Generationen.

Aus “Riten der Taka-Taka”, Sachbuch, vergriffen

Als Meisterdetektiv war es Sherlock Holmes gewohnt, niemals zu schlafen. Wenn sich London zu Bett begab, setzte sich Holmes an den Kamin, um dort, die Augen der Schonung wegen geschlossen, über dies und das nachzudenken. Um eventuelle Gegner davon zu überzeugen, er schliefe und sie hätten leichtes Spiel mit ihm, imitierte er gar ein Schnarchen, und er tat dies so täuschend echt, dass Watson Nacht für Nacht hellwach in seinem Bett lag, nicht ohne seinen Freund und dessen exzentrische Angewohnheiten zu verfluchen.

Aus “Sherlock Holmes und das Geheimnis der Frau in Gelbblaurotorange”, Roman, vergriffen

Teddy hatte uns verpfiffen. Wir wussten es von Schildkröte, den die Informationen seinen Panzer gekostet hatte. Also holten wir Teddy am Morgen ab. “Eine kleine Spazierfahrt, Teddy.” Da wusste er wohl schon, was ihm blühte. Kein Geschrei, einfach nichts. Und als wir ihn schließlich aufknöpften, ergab er sich seinem Schicksal. Er wird mir fehlen, dieser kleine Bär, der so verflucht süß sein konnte. Wenn er einen mit seinen Knopfaugen ansah, konnte einem ganz anders werden. Aber kein Kuschelhase, kein Bär, kein Reh sollte sich in die Geschäfte von Esel mischen. Ich miaute ein letztes Mal und fuhr davon.

Aus “Aufruhr im Kuscheltierland”, Kriminalroman, vergriffen

Lieber Nanook, der kleine Nunu wird täglich kräftiger, und dies ist einzig dem von dir erlegten Seehund zu verdanken, dessen Fleisch ihn stündlich wachsen lässt. Es kommt mir vor, als wäre etwas in den Brocken, das sich direkt auf seinen Körper auswirkt. Wenn es nicht verrückt klingen würde, müsste man von einem Wunder reden. Hoffentlich kommst du bald aus der Stadt zurück. Die Nächte sind kalt, und ich habe das Gefühl, dass uns etwas beobachtet. Vermutlich liegt das an der Einsamkeit. Deine Annuk

Aus “Der Seehund”, Erzählung, vergriffen

Madame, eine edle Katzendame, wie sie in dieser Welt nicht mehr zu finden ist, legte bei Tisch Wert auf Etikette. Den Kopf in den Milchtrog zu stecken, das war nichts für sie. Auch kletterte sie nie über die Dachrinne, obwohl sie des nachts gerne mal im Geäst eines der Bäume saß, die noch heute ihren Park schmücken. (Es ist kaum zu glauben, dass die Zeiten der Katzenwesen wirklich vorbei sein sollen.) Die Zahl ihrer Liebhaber, so munkelt man, überstieg die Finger einer Menschenhand bei weitem; nur Nachwuchs gebar sie nicht, wohl einer Krankheit wegen, die sie sich im Kongo eingefangen hatte. Madame Penelope lebte neun Leben über mehrere Jahrhunderte, bis sie schließlich im Jahr 1931 von einem Lastkraftwagen überrollt wurde, den sie ihrer schlechter werdenden Augen wegen übersah.

Aus “Madame Penelope”, Biografie, vergriffen

Jürgen, mein Sohn, saß am Tisch und verweigerte das Essen. “Das ist gute Blutsuppe”, erklärte ich ihm. “Abgezapft von unzähligen Babys, die ich heute Nacht entführt habe.” Ich zeigte auf die Leiber, die im Mondlicht silbern aufglänzten. “Nein, nein”, beharrte Jürgen. “Ich habe mit dem Thema abgeschlossen. Ich bin ab sofort Veganer.” Ich lachte laut auf. “Jürgen, wir sind Vampire, sieh das doch endlich ein.”

Aus “Blutsuppe”, Roman, vergriffen

Maja ist das schönste Mädchen der Welt. Niemand kann so wunderbar herzausreißend töten wie sie. Wenn sie einem Jungen den Kopf abbeißt, macht sie mich unendlich stolz. Wir sind eine eigenwillige Familie, die viel umzieht. Wir treiben wie Holzplanken auf der Zeit, die Wellen der Jahrhunderte tragen uns voran. Heute leben wir in London. Wenn der Nebel kommt, gehen wir auf die Jagd. Die ganze Familie. Wir lieben uns. Und nur das zählt.

Aus “Maja”, Erzählung, vergriffen

Und wie ich auf meinem Balkon saß und in den Himmel blickte, sah ich einen Engel, der die Form einer Wolke angenommen hatte. Und er sprach zu mir: “Du musst eine Luftspiegelung sein. Die Menschen sind nämlich eine Erfindung der Götter.” Ich setzte mein Glas ab und erhob meine Stimme: “Ja, du siehst mich doch. Da muss es mich doch auch geben.” – “Eine Psychose”, sagte der Engel und schwebte weiter.

Aus “Die Erfindung des Menschen”, Roman, vergriffen

Wie ich an diesem Morgen stocksteif auf meinem Stuhl saß, dachte ich darüber nach, wie sich ein Stuhl wohl fühlen muss. So ausgesetzt, meinem Hintern ausgeliefert. Ein Leben, das für den Arsch ist. So saß ich und verfiel in Trauer.

Aus “Der Stuhl, das armselige Wesen”, Erzählung, vergriffen