Seit es sich in unserer Straße herumgesprochen hat, dass ich Fleischerei-Romane schreibe, begegnen mir die Leute, wie soll ich es sagen, mit einer gewissen kulinarischen Neugier. Es tauchen plötzlich Fragen auf, wie die, ob ich in meinen Romanen denn auch auf die Hackfleischverordnung achten würde. Die Sauberkeit in den einzelnen Kapiteln sei nicht zu vernachlässigen. Ja, tatsächlich meint jeder, der mir begegnet, ob im Treppenhaus oder auf der Straße, mich beraten zu müssen. Die Welt scheint voller Fachleute für den modernen Fleischerei-Roman zu stecken. Alle haben sie nur darauf gewartet, sich endlich in die Welt der Kühltheken mit einbringen zu dürfen.
So schlägt man mir vor, eine Fachverkäuferin einzustellen, denn mit den Verkäufen, man beobachte es auf Amazon und anderswo, laufe es ja nicht sonderlich gut. Es käme darauf an, so die Leute, wie ich die Worte präsentieren würde. Auch die Schlachterei, die einen beliefere, sollte eine Rolle spielen. Nicht einfach im Großhandel einkaufen. Nein, nein, die Zeiten seien längst vorbei. Bio-Texte seien jetzt der letzte Schrei. Danach verlange es den Konsumenten. Nach Ware, die zuvor frei auf einem Bauernhof umherlaufen und sich der frischen Luft erfreuen durfte.
Es wäre mir doch lieber gewesen, wenn die Leute nicht erfahren hätten, dass ich Fleischerei-Romane schreiben. Ein Kollege von mir, der sich auf Bäckerei-Romane spezialisiert hat, scheint nicht unter einer solchen Beobachtungssucht leiden zu müssen.
Und dann wieder Fragen. Wo ich meine Worte denn töten lasse? Ich erwidere darauf meist, dass ich das selbst erledige.
Stille, gefolgt von einem leicht angeekelten Gesichtsausdruck, der sich mit Mitleid mischt.
Ja, so sind sie. Alle wollen sie lesen, aber keiner will wissen, wie die Worte ins Buch kommen. Immer alles schön abstrakt halten, als würde es nicht um Worte gehen. Der Endverbraucher macht es sich da doch etwas leicht. Kümmert sich nicht um seine geistige Nahrung, will nicht selbst Hand anlegen, will sich aber beschweren, geht es den Wörtern an den Hals.
Momentan ist der letzte Schrei gestopfte Krimipastete, schön fett und bei Heyne veröffentlicht. Darf nur 8,90 Euro kosten, und soll den ganzen Urlaub über satt machen. Widerlich. Für die Großhändler arbeite ich nicht. Nahm es also aus dem Sortiment. Vorübergehend. Wer weiß, zu was mich die Zeiten noch treiben werden.
Besser wäre es gewesen, ich hätte mich auf Belästigungsromane verlegt. Man reißt sie dir förmlich aus der Hand. Viel Schmutz, viel Schund drin, wollen sie wissen und reiben sich bereits die feuchten Hände.
Die Zeiten werden einfach nicht besser.