Mit ‘leiden’ getaggte Artikel

Soeben erschienen!

10. Mai 2013

Seit »Blut ist ein Fluss« gilt Guido Rohm als »Gottsohn der Blutflussliteratur« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert). Mit seinem neuesten Werk »Untat« gar als »Gottvater der Literatur schlechthin« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert). Der Autor selbst würde dies mit der ihm eigenen Bescheidenheit abwehren. Ein Gott? Nein. Ein König? Aber immer!
Wer oder was ist also Guido Rohm? »Tagebücher I« erlaubt erstmals einen intimen Blick in das Innen- und Außen- und Drumherumleben dieses Giganten, unterstreicht seine genuine Menschlichkeit, seine Intentionen als »Dichter der Besseresverdienenden« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert) und, vor allem, seine unmenschlichen Leiden als sensibler Seismograph des Allzumenschlichen. Eine literarische Sensation, ein Must Have für den Rohm-Anbeter, die Rohm-Abhängige. Weitere Myriaden von Bänden werden folgen.

Funk

 

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Hinweis

12. April 2013

Statt der üblichen Einträge wird man hier in den nächsten Wochen/Monaten/Jahren kleine Arbeitsproben aus meinem neuen Projekt mit dem Titel “Grünkohlextrakt oder Niedertracht des Erfolgs – Leiden und Nöte eines Bestsellerautors” finden. Ich muss und will das Ding zügig beenden.

Die Woche ist eine Krankheit, die zum Sonntag führt

17. Februar 2013

Sonntagnachmittag sitzt man sich aus. Die während der Woche angestauten Gefühle und Gedanken müssen absacken. Unbeweglich starrt man in den Fernseher. Alle Bewegung geht vom Bildschirm aus. Das sich darin befindliche Personal wurde bezahlt, um Aufnahmen ihrer Handlungen vornehmen zu lassen.

Blinzeln ist dem Sonntäger erlaubt, allerdings im festgelegten Rhythmus von zwei Stunden. Durst wird durch den Speichel gelöscht. Ist der Speichel versiegt, darf er sich von sich Wasser einflößen lassen. Geringe Mengen, damit er sich nicht überanstrengt.

Der Sonntäger bewegt den Zeigerfinger der rechten Rand (Linkshänder dürfen den Zeigefinger der linken Hand nutzen), um mit dem Zeigefinger dem Fernseher anzuzeigen, welches Programm der Sonntäger zu sehen wünscht. Die Anzeige erfolgt durch das Antippen der Programmwahltaste auf der Fernbedienung.

Hat sich der Sonntäger für ein anderes Programm entschieden, verbleibt er mindestens sieben Sekunden, um sich eventuell beeindrucken zu lassen. Gesichtszüge, ein Bergkamm, quietschende Reifen können den Sonntäger beindrucken, müssen es aber nicht.

Der Sonntäger lauscht den Geräuschen, die dem Fernseher entfleuchen. Sie sind ihm peinlich, weil sie die Blähungen des Apparats darstellen. Sie künden von der Magenverstimmung des Fernsehers, der beständig an einer solchen leidet. Krankheit ist dem Fernseher ein Grundbedürfnis.

Dem Sonntäger ist die Krankheit des Fernseher Heilung seiner Krankheit. Sie lenkt ihn von den Leiden seines Geistes ab, der in der vergangenen Woche unweigerlich Schaden genommen hat. Die Welt ist schlecht, daher nimmt ein Geist Schaden.

Vor dem Fernseher kuriert sich der Sonntäger. Er sitzt sich aus, er leidet sich aus, indem er sich schlimmeres Leid vorführt, nämlich das des Fernsehers.

Spät am Abend lässt er sich von sich zum Bett begleiten. Er legt sich ab und wartet mit geöffneten Augen auf die kommende Woche, die ihn so krank machen wird, dass er sich am Sonntag davon wird  erholen müssen.

Die Woche ist eine Krankheit, die zum Sonntag führt.

Aus meinem Leben (1)

8. Februar 2013

Ich muss ja auch mal etwas über mich schreiben. Da passiert ja eine Menge in so einem Meisterautorenleben. Erst gestern bin ich aufgewacht. Wieder früh am Morgen. Scheiße. Das geht mir jetzt seit Jahren so. Ich müsste vielleicht mal zu einem Facharzt, um ihn zu befragen, wie das kommt. Aber die wissen auch nichts. Sind eben Ärzte. Die tragen ihre Kittel und horchen einen ab. Nach der Behandlung schütteln sie einem die Hand. Das bringt mich auch nicht weiter.

Nein, zu einem Arzt werde ich nicht gehen. Ich werde weiterhin leiden. Jeden Morgen erwachen. Machen Sie das mal. Dann wissen Sie, wie meine Leidensgeschichte geht. Das hält kein Hahn auf Dauer aus.

Kein Wunder, dass ich ständig schlecht gelaunt bin. Meiner Frau gefällt das gar nicht. Sie wird ausziehen, wenn das so weitergeht, hat sie gedroht.

Lass mal stecken, habe ich zu ihr gesagt. Das wird sich schon noch ändern. Noch fünfzig Jahre, dann wach ich bestimmt nicht mehr auf.

So lange, nö, hat sie gesagt.

Frauen können sehr ungeduldig sein.

Man könnte sich ja selbst mit Schlaftabletten oder einer Schusswaffe therapieren.

Über den modernen Fleischerei-Roman

28. Januar 2013

Seit es sich in unserer Straße herumgesprochen hat, dass ich Fleischerei-Romane schreibe, begegnen mir die Leute, wie soll ich es sagen, mit einer gewissen kulinarischen Neugier. Es tauchen plötzlich Fragen auf, wie die, ob ich in meinen Romanen denn auch auf die Hackfleischverordnung achten würde. Die Sauberkeit in den einzelnen Kapiteln sei nicht zu vernachlässigen. Ja, tatsächlich meint jeder, der mir begegnet, ob im Treppenhaus oder auf der Straße, mich beraten zu müssen. Die Welt scheint voller Fachleute für den modernen Fleischerei-Roman zu stecken. Alle haben sie nur darauf gewartet, sich endlich in die Welt der Kühltheken mit einbringen zu dürfen.

So schlägt man mir vor, eine Fachverkäuferin einzustellen, denn mit den Verkäufen, man beobachte es auf Amazon und anderswo, laufe es ja nicht sonderlich gut. Es käme darauf an, so die Leute, wie ich die Worte präsentieren würde. Auch die Schlachterei, die einen beliefere, sollte eine Rolle spielen. Nicht einfach im Großhandel einkaufen. Nein, nein, die Zeiten seien längst vorbei. Bio-Texte seien jetzt der letzte Schrei. Danach verlange es den Konsumenten. Nach Ware, die zuvor frei auf einem Bauernhof umherlaufen und sich der frischen Luft erfreuen durfte.

Es wäre mir doch lieber gewesen, wenn die Leute nicht erfahren hätten, dass ich Fleischerei-Romane schreiben. Ein Kollege von mir, der sich auf Bäckerei-Romane spezialisiert hat, scheint nicht unter einer solchen Beobachtungssucht leiden zu müssen.

Und dann wieder Fragen. Wo ich meine Worte denn töten lasse? Ich erwidere darauf meist, dass ich das selbst erledige.

Stille, gefolgt von einem leicht angeekelten Gesichtsausdruck, der sich mit Mitleid mischt.

Ja, so sind sie. Alle wollen sie lesen, aber keiner will wissen, wie die Worte ins Buch kommen. Immer alles schön abstrakt halten, als würde es nicht um Worte gehen. Der Endverbraucher macht es sich da doch etwas leicht. Kümmert sich nicht um seine geistige Nahrung, will nicht selbst Hand anlegen, will sich aber beschweren, geht es den Wörtern an den Hals.

Momentan ist der letzte Schrei gestopfte Krimipastete, schön fett und bei Heyne veröffentlicht. Darf nur 8,90 Euro kosten, und soll den ganzen Urlaub über satt machen. Widerlich. Für die Großhändler arbeite ich nicht. Nahm es also aus dem Sortiment. Vorübergehend. Wer weiß, zu was mich die Zeiten noch treiben werden.

Besser wäre es gewesen, ich hätte mich auf Belästigungsromane verlegt. Man reißt sie dir förmlich aus der Hand. Viel Schmutz, viel Schund drin, wollen sie wissen und reiben sich bereits die feuchten Hände.

Die Zeiten werden einfach nicht besser.

Kalte Rede (Zwischennotiz)

17. Januar 2013

Die Kälte ist ein gefürchteter Feind in unseren vier Wänden. Hat sie erst die Wohnung gestürmt, müssen wir uns wehren. Wir treten ihr mit Decken und dicken Jacken entgegen. Kein Pardon. Jeder Zentimeter unserer Zimmer wird verteidigt. Die Wohnung ist ein Rückzugspunkt, den man nicht einfach aufgeben kann. Am Ende sitzt man auf der Straße und die Kälte gemütlich auf dem eigenen Sofa. So weit kommt es noch!

Mit der Kälte ist nicht zu spaßen, da muss man sich nur erkundigen, wo sie sich am liebsten aufhält. Eine Henkerin ist sie, die bereits von Stalin und anderen eingesetzt wurde, um sich unliebsamer Personenkreise zu entledigen. Was will man mit einer reden, die bereits mit Diktatoren paktierte. Kein Wort.

Angst macht sie einem, anders ist das Klappern der Zähne nicht zu erklären. Stürmt ins Dichterwohnheim, wo der Dichter gerade am Dichten ist, um ihm die Füße in einen Eisblock zu klemmen. Sitzen kann so keiner. Laufen noch weniger. Ständig muss man die Hände bewegen, sie reiben, als ob man ein Ränkeschmied wäre. Man vermittelt doch nur falsche Eindrücke, als würde man etwas im Schilde führen. Garstig wird der sein, muss der Besuch denken, beobachtet er dieses andauernde Reiben der Handinnenflächen aneinander.

Dabei liegt es nur an der Kälte, die, blickt man sich um, einen Generalangriff gegen die Stadt führt. Alles, was nicht Kind und Spaß dran hat, muss leiden, muss gefrorenes Wassergut von den Bürgersteigen kratzen. Kälteblut sozusagen entfernen. Wie nach einem Massaker sieht es hier aus. Jedes Auto vom Frostschimmel befallen. Matsch auf den Straßen, der sich dreckig gibt und – kostet man davon – auch schmeckt.

Nichts für uns, die wir jetzt bereits die dreizehnte Runde um den Wohnzimmertisch drehen, und alles nur, um uns irgendwie Wärme in die Glieder zu laufen.

Wenn nicht bald etwas passiert, wird es dicke Luft geben, spätestens, wenn das entzündete Feuer um sich greift.


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