Freitag II

Meine Frau ist krank. Was lässt sie sich auch mit einem Virus ein. Nun liegt sie darnieder. Niemand da, der die Hausarbeit erledigt. Vorwürfe mache ich ihr keine. Bin ja kein Unmensch. Packte das Geschirr in ein Tuch und trug es ihr in einem Bottich mit Seifenlauge ans Bett. Sie soll sich nicht langweilen, die Arme.

“Da”, sagte ich mit betont lässiger Stimme.

Schweiß stand ihr auf der Stirn.

“Dass du mir aber nicht das ganze Bett volltropfst”, sagte ich.

Ich bin schon eine arme Autorensau. Demnächst verlangt noch jemand, dass ich meine Texte selber schreibe. Der Anfang vom Ende.

“Wenn du mit dem Abwasch fertig bist”, sagte ich zu meiner Frau, “kannst du noch ein paar Seiten von meinem neuen Roman schreiben.”

Keine Antwort. Stattdessen ein Hustenanfall, wohl um von der Tatsache, an einer Schreibblockade zu leiden, abzulenken. So leicht kommt sie mir nicht davon.

Muss jetzt erst mal mit Muitzinmann, unserem Dobermanndackel, eine Runde ums Haus drehen.

Guten Abend, Welt!

Dienstag II

10.20 Uhr! Meine Frau ist mit dem Kind zum Arzt. Krank! Schrecklich! Ist ein Kind krank, leide ich fürchterlich mit ihm. Ich kann dann gar nicht schreiben, geschweige denn denken. Ich werde von der Krankheit des Kindes ganz krank. Fieberschübe übermannen meinen durchtrainierten Körper. Wie soll man arbeiten, wenn man krank ist, weil ein Kind krank ist? Und ist das eine erst wieder gesund, wird bestimmt ein anderes Kind krank. Irgendwo. Mir reicht bereits die Nachricht, dass es ein krankes Kind gibt. In der Nachbarschaft findet sich immer ein krankes Kind. Meine Gegner wissen von meinem Schwachpunkt und nutzen ihn aus. Manchmal finde ich anonyme Briefe, die unter der Tür in den Flur geschoben wurden. “Kind drei Straßen weiter krank”, steht darauf geschrieben. Und schon schwächele ich und taumle Richtung meines eigens für solche Tage angeschafften Krankenbetts. Ich werde lernen müssen, mich von den Leiden der Kinder nicht so anstecken zu lassen, sonst wird mein nächster Roman, in dem Milchreis eine tragende Rolle spielen soll, ungeschrieben bleiben. Und das kann ich der Milchwirtschaft nicht antun.

Freitag

Schmerzen! Ein unendliches Meer davon! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich bin erkrankt. Um nicht leiden zu müssen, versuche ich mich vom Gegenteil zu überzeugen. Schilder im Zimmer weisen mich darauf hin, dass ich kerngesund bin. “Du bist supergesund” ist da zu lesen! Oder auch: “Stell dich ja nicht so an, Heulsuse!” Motivationstraining in Form eines Schilderparks.

Draußen weht der Wind ein dunkles Lied von Hölle und Einsamkeit. Die beiden Liedermacher sind in der Welt dort draußen wahre Hitlieferanten. Erst gestern wurde von einer Frau berichtet, die sich wegen Einsamkeit aus dem Fenster stürzte. Zeit, diesem Verbrecher das Handwerk zu legen. Wo kommen wir denn hin, wenn Komponisten eine solche Macht über die Leute gewinnen.

Soeben erschienen!

Seit »Blut ist ein Fluss« gilt Guido Rohm als »Gottsohn der Blutflussliteratur« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert). Mit seinem neuesten Werk »Untat« gar als »Gottvater der Literatur schlechthin« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert). Der Autor selbst würde dies mit der ihm eigenen Bescheidenheit abwehren. Ein Gott? Nein. Ein König? Aber immer!
Wer oder was ist also Guido Rohm? »Tagebücher I« erlaubt erstmals einen intimen Blick in das Innen- und Außen- und Drumherumleben dieses Giganten, unterstreicht seine genuine Menschlichkeit, seine Intentionen als »Dichter der Besseresverdienenden« (Dieter Paul Rudolph, Name geändert) und, vor allem, seine unmenschlichen Leiden als sensibler Seismograph des Allzumenschlichen. Eine literarische Sensation, ein Must Have für den Rohm-Anbeter, die Rohm-Abhängige. Weitere Myriaden von Bänden werden folgen.

Funk

 

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Hinweis

Statt der üblichen Einträge wird man hier in den nächsten Wochen/Monaten/Jahren kleine Arbeitsproben aus meinem neuen Projekt mit dem Titel “Grünkohlextrakt oder Niedertracht des Erfolgs – Leiden und Nöte eines Bestsellerautors” finden. Ich muss und will das Ding zügig beenden.

Die Woche ist eine Krankheit, die zum Sonntag führt

Sonntagnachmittag sitzt man sich aus. Die während der Woche angestauten Gefühle und Gedanken müssen absacken. Unbeweglich starrt man in den Fernseher. Alle Bewegung geht vom Bildschirm aus. Das sich darin befindliche Personal wurde bezahlt, um Aufnahmen ihrer Handlungen vornehmen zu lassen.

Blinzeln ist dem Sonntäger erlaubt, allerdings im festgelegten Rhythmus von zwei Stunden. Durst wird durch den Speichel gelöscht. Ist der Speichel versiegt, darf er sich von sich Wasser einflößen lassen. Geringe Mengen, damit er sich nicht überanstrengt.

Der Sonntäger bewegt den Zeigerfinger der rechten Rand (Linkshänder dürfen den Zeigefinger der linken Hand nutzen), um mit dem Zeigefinger dem Fernseher anzuzeigen, welches Programm der Sonntäger zu sehen wünscht. Die Anzeige erfolgt durch das Antippen der Programmwahltaste auf der Fernbedienung.

Hat sich der Sonntäger für ein anderes Programm entschieden, verbleibt er mindestens sieben Sekunden, um sich eventuell beeindrucken zu lassen. Gesichtszüge, ein Bergkamm, quietschende Reifen können den Sonntäger beindrucken, müssen es aber nicht.

Der Sonntäger lauscht den Geräuschen, die dem Fernseher entfleuchen. Sie sind ihm peinlich, weil sie die Blähungen des Apparats darstellen. Sie künden von der Magenverstimmung des Fernsehers, der beständig an einer solchen leidet. Krankheit ist dem Fernseher ein Grundbedürfnis.

Dem Sonntäger ist die Krankheit des Fernseher Heilung seiner Krankheit. Sie lenkt ihn von den Leiden seines Geistes ab, der in der vergangenen Woche unweigerlich Schaden genommen hat. Die Welt ist schlecht, daher nimmt ein Geist Schaden.

Vor dem Fernseher kuriert sich der Sonntäger. Er sitzt sich aus, er leidet sich aus, indem er sich schlimmeres Leid vorführt, nämlich das des Fernsehers.

Spät am Abend lässt er sich von sich zum Bett begleiten. Er legt sich ab und wartet mit geöffneten Augen auf die kommende Woche, die ihn so krank machen wird, dass er sich am Sonntag davon wird  erholen müssen.

Die Woche ist eine Krankheit, die zum Sonntag führt.

Aus meinem Leben (1)

Ich muss ja auch mal etwas über mich schreiben. Da passiert ja eine Menge in so einem Meisterautorenleben. Erst gestern bin ich aufgewacht. Wieder früh am Morgen. Scheiße. Das geht mir jetzt seit Jahren so. Ich müsste vielleicht mal zu einem Facharzt, um ihn zu befragen, wie das kommt. Aber die wissen auch nichts. Sind eben Ärzte. Die tragen ihre Kittel und horchen einen ab. Nach der Behandlung schütteln sie einem die Hand. Das bringt mich auch nicht weiter.

Nein, zu einem Arzt werde ich nicht gehen. Ich werde weiterhin leiden. Jeden Morgen erwachen. Machen Sie das mal. Dann wissen Sie, wie meine Leidensgeschichte geht. Das hält kein Hahn auf Dauer aus.

Kein Wunder, dass ich ständig schlecht gelaunt bin. Meiner Frau gefällt das gar nicht. Sie wird ausziehen, wenn das so weitergeht, hat sie gedroht.

Lass mal stecken, habe ich zu ihr gesagt. Das wird sich schon noch ändern. Noch fünfzig Jahre, dann wach ich bestimmt nicht mehr auf.

So lange, nö, hat sie gesagt.

Frauen können sehr ungeduldig sein.

Man könnte sich ja selbst mit Schlaftabletten oder einer Schusswaffe therapieren.

Über den modernen Fleischerei-Roman

Seit es sich in unserer Straße herumgesprochen hat, dass ich Fleischerei-Romane schreibe, begegnen mir die Leute, wie soll ich es sagen, mit einer gewissen kulinarischen Neugier. Es tauchen plötzlich Fragen auf, wie die, ob ich in meinen Romanen denn auch auf die Hackfleischverordnung achten würde. Die Sauberkeit in den einzelnen Kapiteln sei nicht zu vernachlässigen. Ja, tatsächlich meint jeder, der mir begegnet, ob im Treppenhaus oder auf der Straße, mich beraten zu müssen. Die Welt scheint voller Fachleute für den modernen Fleischerei-Roman zu stecken. Alle haben sie nur darauf gewartet, sich endlich in die Welt der Kühltheken mit einbringen zu dürfen.

So schlägt man mir vor, eine Fachverkäuferin einzustellen, denn mit den Verkäufen, man beobachte es auf Amazon und anderswo, laufe es ja nicht sonderlich gut. Es käme darauf an, so die Leute, wie ich die Worte präsentieren würde. Auch die Schlachterei, die einen beliefere, sollte eine Rolle spielen. Nicht einfach im Großhandel einkaufen. Nein, nein, die Zeiten seien längst vorbei. Bio-Texte seien jetzt der letzte Schrei. Danach verlange es den Konsumenten. Nach Ware, die zuvor frei auf einem Bauernhof umherlaufen und sich der frischen Luft erfreuen durfte.

Es wäre mir doch lieber gewesen, wenn die Leute nicht erfahren hätten, dass ich Fleischerei-Romane schreiben. Ein Kollege von mir, der sich auf Bäckerei-Romane spezialisiert hat, scheint nicht unter einer solchen Beobachtungssucht leiden zu müssen.

Und dann wieder Fragen. Wo ich meine Worte denn töten lasse? Ich erwidere darauf meist, dass ich das selbst erledige.

Stille, gefolgt von einem leicht angeekelten Gesichtsausdruck, der sich mit Mitleid mischt.

Ja, so sind sie. Alle wollen sie lesen, aber keiner will wissen, wie die Worte ins Buch kommen. Immer alles schön abstrakt halten, als würde es nicht um Worte gehen. Der Endverbraucher macht es sich da doch etwas leicht. Kümmert sich nicht um seine geistige Nahrung, will nicht selbst Hand anlegen, will sich aber beschweren, geht es den Wörtern an den Hals.

Momentan ist der letzte Schrei gestopfte Krimipastete, schön fett und bei Heyne veröffentlicht. Darf nur 8,90 Euro kosten, und soll den ganzen Urlaub über satt machen. Widerlich. Für die Großhändler arbeite ich nicht. Nahm es also aus dem Sortiment. Vorübergehend. Wer weiß, zu was mich die Zeiten noch treiben werden.

Besser wäre es gewesen, ich hätte mich auf Belästigungsromane verlegt. Man reißt sie dir förmlich aus der Hand. Viel Schmutz, viel Schund drin, wollen sie wissen und reiben sich bereits die feuchten Hände.

Die Zeiten werden einfach nicht besser.

Kalte Rede (Zwischennotiz)

Die Kälte ist ein gefürchteter Feind in unseren vier Wänden. Hat sie erst die Wohnung gestürmt, müssen wir uns wehren. Wir treten ihr mit Decken und dicken Jacken entgegen. Kein Pardon. Jeder Zentimeter unserer Zimmer wird verteidigt. Die Wohnung ist ein Rückzugspunkt, den man nicht einfach aufgeben kann. Am Ende sitzt man auf der Straße und die Kälte gemütlich auf dem eigenen Sofa. So weit kommt es noch!

Mit der Kälte ist nicht zu spaßen, da muss man sich nur erkundigen, wo sie sich am liebsten aufhält. Eine Henkerin ist sie, die bereits von Stalin und anderen eingesetzt wurde, um sich unliebsamer Personenkreise zu entledigen. Was will man mit einer reden, die bereits mit Diktatoren paktierte. Kein Wort.

Angst macht sie einem, anders ist das Klappern der Zähne nicht zu erklären. Stürmt ins Dichterwohnheim, wo der Dichter gerade am Dichten ist, um ihm die Füße in einen Eisblock zu klemmen. Sitzen kann so keiner. Laufen noch weniger. Ständig muss man die Hände bewegen, sie reiben, als ob man ein Ränkeschmied wäre. Man vermittelt doch nur falsche Eindrücke, als würde man etwas im Schilde führen. Garstig wird der sein, muss der Besuch denken, beobachtet er dieses andauernde Reiben der Handinnenflächen aneinander.

Dabei liegt es nur an der Kälte, die, blickt man sich um, einen Generalangriff gegen die Stadt führt. Alles, was nicht Kind und Spaß dran hat, muss leiden, muss gefrorenes Wassergut von den Bürgersteigen kratzen. Kälteblut sozusagen entfernen. Wie nach einem Massaker sieht es hier aus. Jedes Auto vom Frostschimmel befallen. Matsch auf den Straßen, der sich dreckig gibt und – kostet man davon – auch schmeckt.

Nichts für uns, die wir jetzt bereits die dreizehnte Runde um den Wohnzimmertisch drehen, und alles nur, um uns irgendwie Wärme in die Glieder zu laufen.

Wenn nicht bald etwas passiert, wird es dicke Luft geben, spätestens, wenn das entzündete Feuer um sich greift.

Der letzte Tag

Der Tod ist ein Arschloch.

Erst gestern erzählte mir meine Frau von einem jungen Mann, dessen Todesanzeige in der Zeitung gestanden hat. Jahrgang 93. Das ist kein Alter. Wenn einer mit 93 stirbt, dann man kann man schon eher damit leben. Mit 93 hast du vielleicht genug geflucht, genug Zigaretten geraucht, dass man damit zurecht kommen kann, dass es dich fortan nicht mehr gibt. Aber wenn du noch ein junger Mann bist, der voll in der Blüte seines Lebens stand, dann ist es eine Taktlosigkeit. Dem Tod fehlt der Benimm. Das muss man mal so klar schreiben. Das gehört sich nicht, dass man ungefragt irgendwo auftaucht und einen so jungen Mann erst leiden und dann sterben lässt. Wie würde sich der Tod denn fühlen, wenn das Leben plötzlich bei ihm auftaucht und einen seiner Bälger erblühen und schließlich auferstehen ließe? Ziemlich beschissen. Da wäre das Geschrei groß. Das müsste es mal tun, das Leben, damit der Tod weiß, was er den Leuten tagtäglich, minütlich, sekündlich antut.

Wenn ich am Morgen aus meinem Bett krabbele, stelle ich mir jedes Mal vor, wie es wäre, wenn ich nicht mehr erwacht, wenn ich im Schlaf gestorben wäre. Ich wüsste es wohl nicht, weil laut Hirnforschung, bin ich nicht mehr. Kein Bewusstsein, um sich bewusst zu sein, dass man tot ist. Schrecklich. Man kann sich nicht mal darüber aufregen, dass der Tod einen mitten aus einem Roman gerissen hat. Die Religion sieht es bekanntermaßen ein wenig differenzierter. Dort wird in den meisten Fällen von einem Jenseits berichtet, was mir immerhin die Möglichkeit einer Beschwerde eröffnen würde. Irgendwo wird es auch im Himmel eine Stelle geben, an die man sich wenden kann, um seinen Frust in einem Vordruck unterzubringen. Wird nur nichts bringen, denn tot ist tot, auch wenn es Filme über Untote gibt, über Zombies zum Beispiel. Wer will schon so zerfleddert wie ein altes Schulheft durch die Gegend wanken und von allen gehasst und beschrien werden. Da musst du schon ein Faible dafür haben, eine kleine sexuelle Abweichung, die sich bereits zu Lebzeiten in deinem Kopf herumtrieb. Das ist nichts für mich. Da bleibe ich lieber tot und weiß von nichts. Wie die drei Affen. Tote sehen nichts, hören nichts, sagen nichts.

Man sollte sich nicht mit dem Tod in den frühen Morgenstunden beschäftigen, das kann einem den ganzen Tag versauen, zumal es ja der letzte sein könnte.

Einmachnotiz

Das war ein eingelegter Tag, einer, der im Inneren verbracht wurde. Wir hockten in unserem Einmachglas und schielten durch das Glas nach draußen, nur unterbrochen von einem kurzen Ausflug in die Bibliothek, die wir mit den Kindern wie eine Kirche durchschritten: leise flüsternd, uns an den Händen haltend, als müssten wir fürchten, plötzlich, blitzartig, von einer überirdischen Macht getrennt zu werden. Wir begutachteten die Bücherrücken wie die Bilder, auf denen die Heiligen beim Heilen oder Leiden zu sehen sind. Buchstabierten die Namen der Autoren mit seitlich angelegtem Kopf, einem, der bald schon auf der Schulter, mal der linken, dann wieder der rechten, zum Ruhen kam. Buch für Buch durchquerten wir die Gänge, auf der Suche nach einem Titel, der uns bekannt vorkam, oder einem, der uns ansprang, unerwartet wie ein wildes Tier, ein Tiger vielleicht. Verbeißen muss sich der Titel, muss eine Saite in uns zum Schwingen bringen, oder sie entzwei reißen. Siebzehn Bücher luden wir uns unter die Arme und trieben uns zurück ins Einmachglas, um dort genüsslich zu versauern, mit einem Buch und einem Wein in den Händen, während draußen im Keller ein Räuspern zu hören ist. Etwas ist dort, von dem wir nur ahnen, was es sein könnte.

Dies und das (Kleine Zwischennotiz)

Manchmal ist das so. Keine Zeit da. Für nichts. Nicht mal für eine kleine Notiz. Aber man will ja nicht aufgeben. Nicht jetzt. Das Notizbuch ist eine Art Trainingshalle. Rein und aufwärmen. Die Finger dehnen. Ein paar Runden um den Kopf laufen. Immer fleißig üben.

Alles will notiert werden. Stimmt überhaupt nicht. Hat man die Dinge je befragt? Gab es eine Umfrage? Hat sich die Tür geäußert, ob sie Teil eines Textes werden wollte? Der Schrank? Der Boden knirscht verdächtig. Er will nicht in meinen Texten auftauchen. Diverse Wolken auch nicht. Nicht das Radio. Und nicht der Wecker. Ausgesuchte Orgasmen verwehren sich gegen eine Beschreibung. Das wäre ein Vertrauensbruch. Ein Überfall. So etwas würde sich nicht gehören. Der Stuhlgang schweigt. Niemand kann ihn leiden. Ein Abfallprodukt. Er zuckt die Schultern. Wenn ich wollte, dann dürfte ich ruhig über ihn schreiben. Später, sage ich, später vielleicht und spüle ihn runter. Aus den Augen, aus dem Sinn. Der nächste kommt bestimmt. Das liegt in der Natur der Sache.

Das war es bereits. Kleine Dehnübung abgeschlossen. Nun frisch ans Werk.