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Gesundheitsapostel

27. Januar 2013

Ich bin ein Gesundheitsapostel, wenn da nur nicht dieser fatale Hang zu diversen Drogen wäre.

Klammert man die aber einmal aus, bleibt nichts außer Grünzeug und frischer Luft übrig. Die esse ich selbstverständlich mit fehlendem Genuss. Das ist gut und richtig so. Genussmittel sind verpönt. Sie gehören auf den Scheiterhaufen der Geschichte.

Wir sind die Generation, die mit allen Irrtümern aufräumt, die die begangenen Fehler endgültig in den Straßengraben der Gegenwart kehrt. Politisch korrekt will man leben.

Luft also nur, wenn dadurch keiner bestohlen wird, der sie nötiger braucht. Licht nur, wenn es sein muss. Licht ist so hell, da könnte der Verdacht der Augenwischerei naheliegen. Mir kommen keine unkorrekten Dinge ins Haus. Fußgänger müssen draußen bleiben, so leid mir das auch tut. Mit potentiellen Ameisentottretern will ich nichts zu tun haben. Schlechte Nachrichten? Keine Chance. Die guten ebenfalls nicht. Nachricht bleibt Nachricht und urteilt bereits im Wortsinn. Und mit Richtern wollen wir hier nicht verkehren. Mit Nachrichtern erst recht nicht.

Dies ist ein reiner Haushalt, da findet man nur das Gesunde. Brennnesseln z.B., die wir uns am Abend in die Backentaschen stopfen.

Um die Welt zu retten, opfere ich mich hin und wieder auf, indem ich Tabak und Kaffee in schier unglaublichen Mengen vernichte.

Ach, was man nicht alles tut, um die Menschheit ein Stück weit zu retten.

Der Nachmittag, den ich nicht bei Kaffee und Kuchen verbrachte

9. Dezember 2012

Ein geplanter Besuch hat nicht stattgefunden. Er ist abgesagt worden. Verschoben. Auf nächste Woche. Ins nächste Wochenende hinein.

Stürme tobten. Schnee fiel. Nicht wenig. Eher viel. Ganze Lastwagenladungen fielen. Ach, was sage ich da. Ganze Planeten aus Schnee fielen auf uns. Begruben uns. Wir konnten uns gar nicht mehr finden. Gruben ein Loch durch die Wohnung. Schossen einen Schneehasen. Wurden blind. Befreiten uns durch eine spontane Wunderheilung. Schlugen Löcher ins Eis. Hätten beinahe gebadet, wenn es nicht so kalt gewesen wäre. Arschkalt. Schlimmer war es. Arschwegfrierendkalt. Dabei hätten wir längst bei Kaffee und Kuchen in M sitzen müssen. Aber auch dort, wir konnten es kaum fassen: Schnee. Schnee, wohin das Auge blickte. Auf den Sesseln, auf dem Klodeckel. Schnee im Mund. Das Sprechen wurde zur Qual. Trotzdem, man ist ja auch Tourist, einige Fotos gemacht. Das muss festgehalten werden. Sonst glaubt es uns niemand. Man wird uns den Eisbär nicht abnehmen, den ich in einem Zweikampf tötete. Anschließend weidete ich ihn aus. Stellte sein Fell bei ebay ein. Entrüstete Mails folgten auf dem Fuß. Was für ein Nachmittag. Wir hätten ausgehen sollen. Dann wären uns die Überlebenskämpfe in den eigenen vier Wänden erspart geblieben.


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