Einmachnotiz

Das war ein eingelegter Tag, einer, der im Inneren verbracht wurde. Wir hockten in unserem Einmachglas und schielten durch das Glas nach draußen, nur unterbrochen von einem kurzen Ausflug in die Bibliothek, die wir mit den Kindern wie eine Kirche durchschritten: leise flüsternd, uns an den Händen haltend, als müssten wir fürchten, plötzlich, blitzartig, von einer überirdischen Macht getrennt zu werden. Wir begutachteten die Bücherrücken wie die Bilder, auf denen die Heiligen beim Heilen oder Leiden zu sehen sind. Buchstabierten die Namen der Autoren mit seitlich angelegtem Kopf, einem, der bald schon auf der Schulter, mal der linken, dann wieder der rechten, zum Ruhen kam. Buch für Buch durchquerten wir die Gänge, auf der Suche nach einem Titel, der uns bekannt vorkam, oder einem, der uns ansprang, unerwartet wie ein wildes Tier, ein Tiger vielleicht. Verbeißen muss sich der Titel, muss eine Saite in uns zum Schwingen bringen, oder sie entzwei reißen. Siebzehn Bücher luden wir uns unter die Arme und trieben uns zurück ins Einmachglas, um dort genüsslich zu versauern, mit einem Buch und einem Wein in den Händen, während draußen im Keller ein Räuspern zu hören ist. Etwas ist dort, von dem wir nur ahnen, was es sein könnte.

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